Ayşe "Mich hat keiner gefragt. Zur Ehe gezwungen - eine Türkin in Deutschland erzählt." - Blanvalet Verlag (München, September 2005)

 „Mit elf war ich verlobt, mit vierzehn verheiratet. Nein, gefragt hat mich niemand. Mein Vater kam eines Tages aus dem Kaffeehaus und teilte mir mit, dass ich jetzt mit Mustafa, meinem Cousin verlobt sei und ihn bald heiraten würde. Das war’s.“

 Ayşe ist gerade vierzehn Jahre alt, als sie mit ihrem Cousin Mustafa verheiratet und zur Familie ihres Mannes nach Deutschland geschickt wird. Schon vor der Hochzeit wird sie von Mustafa brutal vergewaltigt. Und auch nach der Trauung muss Ayşe häufig Schläge und sexuelle Willkür erdulden. Das Geld, das sie in der Fabrik und durch Heimarbeit verdient, fließt direkt auf das Konto der Schwiegermutter. Mit fünfzehn bringt sie ihren ersten Sohn zur Welt. Bereits zwei Wochen nach der Entbindung muss sie wieder den ganzen Tag in der Fabrik am Fließband stehen. Mustafa hingegen arbeitet nur sporadisch. In siebzehn Ehejahren bringt Ayşe vier Kinder zur Welt. Sie spricht nur gebrochen deutsch und lebt völlig isoliert, ohne Freunde. Als Mustafa sie eines Nachts krankenhausreif schlägt, flieht Ayşe. Sie reicht die Scheidung ein. Für sie eine Entscheidung mit unüberblickbaren Folgen: Mustafa reagiert, indem er die beiden jüngeren Kinder in die Türkei entführt. Ein ganzes Jahr dauert es, bis Ayşe ihre Kinder wieder findet. Heute hat Ayşe die Hölle ihrer Ehe hinter sich gelassen. Sie lebt mit ihren beiden jüngsten Kindern in der Nähe von München.

Ayşes Geschichte ist ein zutiefst erschütterndes Frauenschicksal – doch es ist kein Einzelfall: Ähnliche Tragödien ereignen sich immer wieder – mitten unter uns, hier in Deutschland. Mit ihrem Buch will Ayşe einen Beitrag zur Aufklärung über dieses himmelschreiende Unrecht in unser aller unmittelbaren Nachbarschaft leisten.

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 Renate Eder