Magdalena Köster
Brillante Bilanzen
Fünf Unternehmerinnen und ihre Lebensgeschichte
Verlag Beltz & Gelberg – Reihe Biographie, Weinheim
324 Seiten, € 19,90
ISBN 3-407-80957-3

Zusammenfassung:

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort

So wird man Millionärin:


Rezensionen:


Zusammenfassung:

Fünf tatkräftige Frauen, die große Unternehmen gegründet oder erfolgreich ausgebaut haben. Allesamt Familienmütter, die ihre rapide wachsenden Unternehmen fest im Griff hatten. Spannende Lebenswege fünf macht- und selbstbewusster Millionärinnen - auf allen Kontinenten zu Haus und mit beiden Beinen auf der Erde:
Nicole Clicquot-Ponsardin (1777-1865): Witwe mit Mut und politischem Weitblick, schuf in den Wirren der napoleonischen Zeit aus einem kleinen Reimser Weinunternehmen die international berühmte Champagnermarke Veuve Clicquot.
Die Kosmopolitin
Helena Rubinstein (1870-1965), ebenso genial wie geizig, stets erlesen gekleidet und doch am liebsten im Laborkittel, rührte nach alten Rezepten neue Cremes an und baute aus dem Nichts ein weltumspannendes Kosmetikimperium auf.
Katharine Graham (1917-2001), späte Erbin der Washington Post, brachte das Blatt durch die Aufklärung des Watergate-Skandals und den Sturz Richard Nixons an die Spitze der US-Zeitungen und entwickelte daraus einen milliardenschweren Medienkonzern.
Beate Uhse (1919-2001), tollkühne Fliegerin, besetzte nach dem Krieg eine Marktlücke –Empfängnisverhütung und Lust auf sexuelle Abwechslung – und stellte allen moralischen Vorbehalten zum Trotz das größte Erotik-Unternehmen Europas auf die Beine.
Anita Roddick
(1942-2007) dachte sich am Küchentisch das umweltbewusste Konzept für eine völlig neue Art von Kosmetikherstellung und -vertrieb aus und verknüpfte ihre eigenen politischen Überzeugungen mit der Unternehmensphilosophie des Body Shop.

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Inhaltsverzeichnis:

„You have to be klug“.....

Fünf Unternehmerinnen und ihre Lebensgeschichte

„Dürsten oder Champagner trinken“
Nicole Clicquot, La Veuve Clicquot (1777 – 1865)

„Man wird nicht durch Zufall Helena Rubinstein“
Helena Rubinstein (1870 – 1965)

„Macht es! Los, wir drucken!“
Katharine Graham (1917 – 2001)

Lust für Millionen
Beate Uhse (1919 – 2001)

Mrs. Body Shop oder Unternehmer müssen verrückt sein
Anita Roddick (1942-2007)

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Vorwort:

„Ob Männer in der Straßenbahn aufstehen oder nicht,
ist im Grunde belanglos. Viel wichtiger ist, dass sie uns im Aufsichtsrat Platz machen.“

(Käte Ahlmann, 1.Vorsitzende des Verbandes Deutscher Unternehmerinnen, 1962)

Gelten für eine erfolgreiche Unternehmerin andere Voraussetzungen als für einen Mann in derselben Position? Als vor fünfzig Jahren der Verband deutscher Unternehmerinnen gegründet wurde, waren die Mitglieder davon überzeugt, dass es keine Unterschiede gebe. Frauen wie Männer müssten vor allem verantwortungsbewusst, führungsstark und zielstrebig sein. In den achtziger Jahren änderte sich die Sichtweise. Man erkannte die besonderen Qualitäten, die bei Frauen zu finden sind und stellte fest: Frauen führen teamorientierter, denken weniger hierarchisch, sie können Mitarbeiter besser motivieren und Verantwortung delegieren. Bei einer Befragung aus jüngster Zeit zum Thema „Frauen und Macht“ verwiesen jedoch Frauen an der Spitze diese vielgepriesenen soft skills wieder auf die hinteren Ränge ihrer Wertigkeitsskala. Das A und O ihres Aufstiegs seien Entschlusskraft und Durchsetzungsvermögen gewesen.

Die Unternehmerinnen, die in diesem Buch vorgestellt werden, würden das eine wie das andere bejahen. Keine hätte es mit ihrem Geschäft an die Weltspitze oder Börse gebracht, ohne den eisernen Willen, ihre Ideen und Produkte notfalls auch mit harter Gangart durchzusetzen. Sie halten aber auch die Balance zwischen vorsichtigem Abwägen und Risikobereitschaft, Bodenständigkeit und Durchhaltevermögen. Mit den Worten „You have to be klug“, brachte Helena Rubinstein auf ihre unnachahmlichen Weise das Geheimnis ihres Erfolg auf den Punkt. Verantwortung zu haben, nicht nur für ein Produkt, sondern auch für viele Mitarbeiter, hat diese Frauen eher beflügelt. Sie behandelten ihre Unternehmen wie ein enges Familienmitglied. „Die Firma ist mein Baby“, sagte Beate Uhse. „Ich liebe meine Firma und alle meine Mitarbeiter“, bekannte Katharine Graham, als sie endlich gelernt hatte, ihren Einfluss geltend zu machen und auch unliebsame Entscheidungen zu fällen. Sie machte auch Schluss mit der häufig diskutierten Vorstellung, Frauen hätten Probleme im Umgang mit Macht. „Früher sah man Macht als männliche Eigenschaft an“, sagte sie in einem Interview. „Tatsache ist, Macht hat kein Geschlecht.“

Dieses Buch erzählt von ungewöhnlichen und aufregenden Lebensentwürfen, Familiengeschichten und Charakteren, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Für die Auswahl galt das Kriterium; die Frauen sollten mit ihrem Unternehmen in der Ersten Liga spielen, einem Unternehmen, das ihnen nicht einfach als Tochter oder Witwe zugefallen war, sondern eines, das sie selbst gründeten oder dem sie erst ihren ganz eigenen Stempel aufdrückten. So hat Nicole Clicquot gegen den Willen ihres Schwiegervaters vor 200 Jahren begonnen, aus einem kleinen Weinunternehmen eine weltbekannte Edelmarke zu machen. Helena Rubinstein, Beate Uhse und Anita Roddick erkämpften sich aus dem Nichts heraus einen Platz in der Welt. Sie arbeiteten schon mit Mitte zwanzig selbstständig und gründeten wenig später ihr Unternehmen. Ihre Motivation lag zunächst im Geldverdienen - nicht um des Geldes, sondern um des Überlebens willen. Nach den ersten Erfolgen aber haben die Frauen Feuer gefangen, waren besessen von dem Wunsch, die Qualität ihrer Produkte zu erhöhen. Dabei haben ihnen dann doch wieder typisch weibliche Fähigkeiten geholfen. Sie waren oder sind echte Kommunikationstalente, kontaktfreudig, kompromissfähig, emotional und – wenn nötig - cool und nüchtern.

Jedes Jahr lesen wir aufs Neue, dass es nicht einmal zehn Prozent der Frauen in Führungspositionen schaffen. Der Sprung in die Selbstständigkeit scheint eine bessere Chance zu sein, die eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Versuchen tun es einige. In Europa kommt heute eine Gründerin auf zwei Gründer. Hilfreich kann dabei der familiäre Hintergrund sein. Denn es gibt eine frappierende Gemeinsamkeit zwischen den Frauen in diesem Buch. Alle hatten Eltern, die bereits selbst kleine oder große Unternehmer waren – selbstständig zu arbeiten und zu entscheiden wurde ihnen schon als Kind vorgelebt. Alle sind mit einer Reihe von Geschwistern aufgewachsen, hatten oder haben selbst Kinder, waren oder sind verheiratet. In den Anfängen des jeweiligen Unternehmens arbeiteten alle fünf mit ihren Partnern eng zusammen, Clicquot verlor ihren Ehemann, die Partner von Roddick, Uhse und Rubinstein begnügten sich mit dem zweiten Platz. Keiner versuchte, seine Frau zu dominieren. Eine Ausnahme bildet Katharine Graham, die einzige Spätberufene. Sie konnte erst nach dem Tod ihres überaus ehrgeizigen Mannes zu einer wichtigen Figur in der amerikanischen Publizistik, Politik und Wirtschaft aufsteigen. Frauen, die etwas erreichen wollen, sollten sich also möglichst nicht mit einem Karrieristen zusammentun. Oder wie sich eine deutsche Fernsehintendantin zu diesem Thema ausdrückte: „Passt auf, wen ihr heiratet.“
                                                           Magdalena Köster


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So wird man Millionärin:

Selbstverständlich haben tüchtige Unternehmerinnen auch ihre verschrobenen Seiten. Bei jenen, die in diesem Buch vorgestellt werden, ist der Hang zu Sparsamkeit und Geiz geradezu symptomatisch. Helena Rubinstein nahm zu Modeschauen von Coco Chanel eine pfiffige Schneiderin mit, die ihr danach die neuen Schnitte für wenig Geld nachnähen musste. Sie aß mittags selbstgemachte Pausenbrote und verdonnerte die Mitarbeiter dazu, das Papier beidseitig zu beschreiben. Auch Beate Uhse brachte sich ihr eigenes Gemüse mit ins Büro und schlief noch als Millionärin mit ihrer Familie im Gartenzelt. Anita Roddick bekannte ganz offen: „Ich habe einen wirklich biestigen, knauserigen Sinn für Haushaltsführung. Ich werde stinksauer, wenn Mitarbeiter sich um Dinge wie das Lichtausschalten nicht kümmern. Da schleicht sich die Mentalität einer fetten Katze ein.“

Dabei könnten sie alle in Champagner baden.

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