Karin Hertzer, Christine Wolfrum
Lexikon der Irrtümer über Männer und Frauen

Das "Lexikon der Irrtümer über Männer und Frauen" (Eichborn, 2001) ist mittlerweile als Taschenbuch bei Piper erschienen. Zusammen mit Karin Hertzer habe ich aktuelle Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung, Psychologie, Genforschung und Biologie zusammengetragen, wir belegen unsere Erkenntnisse mit Hilfe von Meinungsumfragen und statistischen Erhebungen. Das Ergebnis: ein provokatives Lexikon von 232 populären Irrtümern aus den Bereichen Verhalten, Haushalt, Beruf & Karriere, Sport, Politik und Gesundheit.

Inhalt

Kleine Kostprobe meiner Beiträge:
- AKTIEN Frauen haben keine Ahnung von der Börse
- BISEXUELL Bisexuelle sind sexbesessen
- CHEF Frauen sind die besseren Chefs
- GEHALT Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - das gilt für Frauen und
Männer
- MACHT Frauen wollen an die Macht
- PINKELN Männer pinkeln ihren Partnerinnen zuliebe im Sitzen
- SCHWIMMEN Synchronschwimmen ist ein Frauensport
- UNTERHOSEN Männer wechseln ihre Unterhosen täglich
- VÄTER Schwule eignen sich nicht als Väter
- ZWITTER Hermaphroditen können keine Kinder kriegen
und natürlich noch viele Irrtümer zum Thema Sex und Partnerschaft

Auszug aus "Lexikon der Irrtümer über Männer und Frauen"

PINKELN: Männer pinkeln ihren Partnerinnen zuliebe im Sitzen

Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts kamen die ersten Piktogramme auf, die links einen Stehpinkler und rechts einen Sitzpinkler zeigten. Selbstverständlich war der Stehpinkler fett durchgestrichen! Dass von nun an selbst im Klo ein neuer Wind wehte, erfuhren die Männer, wenn sie sich vor der Schüssel in Position brachten. Denn ihr Blick fiel entweder auf die Unterseite des hoch geklappten Klodeckels oder auf den Spülkasten - und dort prangte das Piktogramm gut sichtbar für jeden, der es immer noch nicht kapiert hatte. Nur wer sich setzte, konnte ein reines Gewissen haben - wer weiterhin im Stehen pinkelte, musste sich auf nervtötende Diskussionen mit den Damen des Hauses gefasst machen. Etliche Männer ließen sich auf das Experiment ein und versuchten es ihrer Partnerin zuliebe auch mal im Sitzen. Von einem Freund der Autorin ist der Satz überliefert: "Ich hätte gar nicht gedacht, dass das überhaupt geht!"...

Umfrage über Pinkelgewohnheiten

Für die nicht-repräsentative, aber doch recht aufschlussreiche Umfrage im Bekanntenkreis der Autorinnen wurden nicht nur Männer befragt, sondern auch einige Frauen, die über ihren männlichen Bekanntenkreis Auskunft gaben: Erfasst wurden die Pinkelgewohnheiten von 74 Männern im Alter zwischen 18 und 69 Jahren, dabei interessierte nur das Urinieren auf der eigenen Toilette. Das Ergebnis: 19 Männer gehören tatsächlich zu den Sitzpinklern, 51 sind Stehpinkler, drei wechseln die Position je nach Lust und Laune. Bleibt noch einer - er pinkelt, indem er sich vor die Schüssel auf den Boden kniet. Auch wenn die zuletzt genannte Methode etwas ungewöhnlich erscheint, schlägt das Pendel doch eindeutig zugunsten der Stehpinkler aus: Es ist also sehr wahrscheinlich, dass es sich bei der Behauptung "Heutzutage pinkeln die meisten Männer im Sitzen" um einen Irrtum handelt. Von den 51 Stehpinklern ist übrigens bekannt, dass fünf von ihnen zu Hause ein Urinal haben. Bleiben noch 46: Mindestens acht von ihnen beschäftigen eine Putzfrau, die das Klo reinigt. Die Zahl der Klo putzenden Partnerinnen konnte leider nicht lückenlos ermittelt werden.

Pipi-Flecken auf der Klobrille

Männer pinkeln also im Stehen - wie eh und je. Betrachtet man aber das Pinkelverhalten auf öffentlichen Toiletten, hinterlassen allen Unkenrufen zum Trotz nicht die Männer, sondern die Frauen die meisten Pipi-Flecken auf der Klobrille: Zu diesem Ergebnis kam zumindest das Reinigungspersonal, das im Jahr 2000 für die Toiletten des Oktoberfestes in München zuständig war. Über die Reinlichkeit des stillen Örtchens wurde deshalb so angeregt diskutiert, da die Frauen erfolgreich für die Gleichberechtigung gekämpft hatten: Das Vorrecht der Männer, auf dem Oktoberfest kostenlos pinkeln gehen zu können, wurde im Jahr 2000 erstmals auch den Frauen zugestanden. Mit dem verhehrenden Ergebnis, dass das Reinigungspersonal auf der Damentoilette wesentlich mehr zu putzen hatte, weil sich die meisten Frauen - aus Angst vor Infektionen - nicht auf die Brille setzten, sondern in einigem Abstand darüber schwebten und so etliche Tropfen daneben gingen. Die Männer hingegen - ihrem Ruf als Stehpinkler folgend - nutzten mehrheitlich eine Pinkelrinne und erleicherten so dem Putzpersonal die Arbeit.