Ich werde niemand zu Füßen liegen

"In Leonora lebt eine sehr alte Seele"

...Für die kommende Saison mieteten die Eltern eine Wohnung im vornehmen Londoner Stadtteil Mayfair und luden alles, was Rang und Namen hatte, Leonora zu Ehren zu einem rauschenden Ball ins Hotel Ritz. Doch das war zum Fenster hinausgeworfenes Geld. Sämtliche Verehrer scheiterten an Leonoras abweisender Kühle. Ihre damaligen Empfindungen hat die Künstlerin 1938 in einer Kurzgeschichte "Die Debütantin" festgehalten. "Zum 1. Mai hatte meine Mutter mir zu Ehren einen Ball organisiert. Ich litt ganze Nächte lang: Bälle habe ich schon immer gehaßt, vor allem solche, die man mir zu Ehren gab...Am Morgen des 1. Mai 1934, ganz in der Frühe, stattete ich der Hyäne einen Besuch ab. "5 In der magischen Erzählung bittet sie die Hyäne aus dem Zoo, ihren Platz einzunehmen, was das Tier ohne große Umschweife tut. Die Hyäne als unzähmbares, eigenständiges Wesen, für ihr wildes, unbändiges Lachen bekannt, wird zu einem Tier Leonoras, das ihre eigenen "ungezähmten" Seiten darstellt. Dieses Tier der Nacht taucht von Anfang an immer wieder in ihrer Bilderwelt auf und entwickelt sich parallel mit ihr: Im ersten Selbstbildnis ist es jung mit prallen Zitzen und glänzendem Fell. In einer Darstellung von 1987 kommt die Hyäne alt mit ungepflegtem, zotteligem Fell mühsam auf Krücken daher. "Nach all diesem Scheiß sagte ich zu meinen Eltern: In Ordnung, Ihr habt Euren Spaß gehabt, jetzt werde ich den meinen besorgen! Und zum Kummer meiner Eltern war für mich dann wirklich und endgültig Schluß mit diesem ganzen Gesellschaftszirkus."6...