Gegenpower, Zivilcourage, Mut und Engagement
Süddeutsche Zeitung vom 19.01.2001 München
"Überraschen, siezen, kreischen"
Tipps für das Verhalten in kritischen Situationen
"Helfen heißt nicht, sich Fäuste schwingend in das Tatgeschehen
einzumischen und dabei womöglich selbst zum Opfer zu werden",
rät Magdalena Köster in ihrem Buch "Gegenpower".
"Wirkungsvolle Hilfe kommt aus dem Kopf!" Wer Zeuge einer
Gewalttat wird, sollte sich daher bestimmte Mechanismen
vergegenwärtigen, die die Dynamik der Situation beeinflussen.
"Sind mehrere Personen bei einer Gewalttat anwesend, steigt die
Wahrscheinlichkeit, dass der Einzelne die Initiative den Anderen
überlässt." In anderen Worten: Jeder glaubt, der andere müsste
anfangen, etwas zu tun. Darüber sollte man sich hinwegsetzen und
die Sache selbst in die Hand nehmen. "Scheu überwinden, andere
öffentlich laut ansprechen und sie um Hilfe bitten." Am besten sehr
konkret: "Sie in der roten Jacke, rufen Sie die Polizei!" Statt sich
körperlich einzumischen, was sich nur für wenige Menschen
empfiehlt, kann man den oder die Täter auch anders von ihrem
Tun abbringen. "Wichtig ist der Überraschungseffekt: den Täter
mit unüblichem Verhalten aus seinem Konzept bringen, indem man
ihn etwa in ein Gespräch über ganz andere Themen verwickelt,
ihm eine Zigarette anbietet, sich bückt, um das Schuhband
zuzubinden. . . Ziel dabei ist es, die Spannungen abzubauen."
Wichtig als Signalwirkung für die Umstehenden: "Siezen Sie den
Täter! Damit machen Sie für andere Personen deutlich, dass es
sich nicht um eine private Beziehungskrise handelt, sondern dass
Sie ein Unbekannter bedroht." Bei einer Gruppe von Tätern
empfiehlt die Autorin, gezielt einen Einzelnen anzusprechen. "Wenn
es einen eindeutigen Anführer gibt, konzentrieren Sie sich auf ihn."
Statt Schlagen hilft auch einfach Lautstärke: "Schreien Sie laut,
aber nicht ,Hilfe', weil die zwei Silben zu viel Luft kosten.
Kreischen ist besser, es macht den Täter eher mürbe." Auch im
Chor "Aufhören" zu rufen, könne etwas bewirken. cw
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