Nix wie weg

Vorwort:

Aufschlagen und lesen, und morgen ein bißchen weiterblättern, und dann vielleicht am Wochenende noch mal mit diesem Buch ins Bett gehen. Wetten, dass Ihr dann so weit seid? Dass Ihr vom Leben auf einem südamerikanischen Campo mit 3000 Schafen träumt? Oder von wilden Zeiten in englischen Internaten? Von merkwürdigen Schuluniformen, kreischenden Cheerleaders und unerlaubten Partys in der Wüste? Das alles wartet auf Euch, wenn Ihr Euch für ein paar Wochen, Monate oder gleich ein Jahr von Eurem gewohnten Leben verabschiedet und in eine ganz andere Welt eintaucht. Die kann auch gleich im Nachbarland liegen, denn allein zu reisen, hat nicht das Geringste mit dem gewohnten Familienurlaub in Frankreich oder Spanien zu tun. Allein irgendwohin zu gehen, bedeutet Anspannung und Aufregung, ungewohnte Straßen und Gerüche, wirbelnde Gedanken und lange Briefe, fremde Menschen, auf die man sich einlassen muss und die plötzlich ganz wichtig werden können.

Dieses Buch könnt Ihr benutzen wie einen guten Handwerkskasten. Für jedes Alter, für jedes Bedürfnis läßt sich aus einer Fülle von authentischen Beiträgen, Anregungen und einem Goldsack von Adressen ein passender Auslandsaufenthalt zusammenbauen. Schülerinnen und Schüler finden jede Menge Berichte über Gastschuljahre von Arizona bis Uruguay, Auszubildende können mit dem Buch unterm Arm zu ihrer Berufsschule oder Handwerkskammer gehen und denen mal ein bißchen auf die Zehen treten. Schließlich rückt die Europäische Union jede Menge Euro heraus, damit Bäcker französische Baguette backen lernen oder Bankkauffrauen das englische Banksystem durchblicken. Auch nach der Ausbildung oder dem Abitur wartet die Welt auf Euch. Da gibt es die schöne neue Einrichtung der Europäischen Freiwilligendienste, das Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr, dazu weltweite Jobs als Au pair, Praktika in Hotels oder Umweltprojekten und Workcamps auf Kreta oder Kuba.

Natürlich ist so ein Leben keine Party, wie gleich mehrere meiner Interview-PartnerInnen betont haben. Da gibt es den berühmten Kulturschock, Frustrationen, Streit mit der Gastfamilie, fast immer auch Heimweh und Heulanfälle, mit denen beinahe alle zu tun hatten, die in diesem Buch über ihren Auslandsaufenthalt erzählen. Aber wer das durchsteht, läßt sich auch so schnell nichts mehr vormachen. Begreift etwas vom Konflikt im Nahen Osten wie Laura und Stephan, die in Israel und im Libanon waren. Oder macht sich Gedanken über die krassen Gegensätze zwischen Arm und Reich wie Daniel, der bereits mit 11 Jahren allein nach Äthiopien ging, oder Tina, die mit ihrer Familie drei Jahre in Indien lebte.

Und so ganz ohne Party wird es schon nicht laufen. Jedenfalls nicht, wenn Ihr Euch für Schottland oder Norwegen entscheidet. Bettina und Vicky haben dort als erstes gelernt, dass jeder Anlass eine Feier wert ist.

Also, nix wie weg! Und viel Spaß!

Magdalena Köster